Was ist eine Selbsthilfegruppe?
Immer mehr Menschen nutzen die Chance, in einer
Selbsthilfegruppe seelische Schwierigkeiten und Konflikte sowie die
Begleiterscheinungen ihrer Erkrankung oder Behinderung gemeinsam zu
bewältigen. Sie wollen ihre persönlichen Lebensumstände aktiv verbessern und
einander helfen, manchmal auch Einfluß auf das
soziale und politische Umfeld nehmen.
Die Gruppe hebt die Isolation des Einzelnen auf und stärkt dadurch das
Selbstvertrauen und die Solidarität. Durch die Regelmäßigkeit der Treffen
entsteht ein stützender Zusammenhalt, der Verständnis und Trost gibt und Mut
macht zu neuer Aktivität und verändertem Verhalten.
Selbsthilfegruppen bestimmen ihre Organisationsform und ihr Vorgehen selbst. Je
nach Ziel und Zusammensetzung findet jede Gruppe ihren eigenen Stil.
Das Wichtigste in Selbsthilfegruppen ist das offene Gespräch, wechselseitige
Hilfe und Verständnis.
Im wesentlichen gibt es
drei Arten von Gruppen:
Anonyme Gruppen, z.B. Anonyme Alkoholiker: jederzeit
offen für jede/n, keine formalisierte Mitgliedschaft, starke
Gruppenphilosophie: 12-Schritte-Programm
Offene Gruppen im Bereich vieler organischer Erkrankungen, z.B. Deutscher
Diabetiker Bund. Information und Aufklärung stehen im Vordergrund.
Geschlossene Gruppen, in denen auch ganz persönliche Probleme besprochen
werden können, mit einer relativ festen Gruppengröße und regelmäßiger Teilnahme.
Aufbau einer Gruppe
Empfehlenswerte Grundvoraussetzungen für
einen Start in eine gut funktionierende Gruppe sind:
- eine überschaubare
TeilnehmerInnenzahl, ca. 6-12 Personen
- möglichst regelmäßige Treffen über einen längeren Zeitraum
- Treffen auf neutralem Raum
- Gleichberechtigung aller GruppenteilnehmerInnen
und somit auch gemeinsame Entscheidungen
Damit eine vertrauensvolle Atmosphäre entstehen kann, ist es wichtig, dass
einige Grundbedingungen von allen TeilnehmerInnen der Gruppe erarbeitet und
respektiert werden.
Wichtige Rahmenbedingungen können z.B. sein:
- Vertraulichkeit
- Pünktlichkeit
- Verbindlichkeit
- Anonymität
Manche Gruppen finden es auch noch wichtig, dass während der Sitzungen nicht
getrunken, gegessen und geraucht wird.
Ablauf einer Gruppensitzung
Jede Gruppe bestimmt ihr Vorgehen selbst. Besondere
Regeln für die Gruppenarbeit sind nicht nötig! Für den Ablauf einer
Gruppensitzung kann es jedoch sinnvoll sein, einige Regeln zu beachten - wenn
die Gruppe es so will! Die Gruppe könnte sich z.B. nach folgenden Anregungen
richten:
1. Blitzlichtrunde
Es kann von Vorteil sein, zu Beginn jedes Treffens mit einer kurzen Runde zu
klären, wie es jeder Person geht und welche Bedürfnisse an die Gruppe sie für
dieses Mal mitbringt.
2. Moderation/Leitung
In manchen Gruppen wird die Moderation/Leitung von jeweils einer Sitzung von
wechselnden TeilnehmerInnen übernommen. Manchmal gibt es auch eine feste
Leitung.
3. Eigenverantwortung
Jede/r sollte sich seiner Verantwortung sich selbst und anderen gegenüber bewußt sein. Jede/r bestimmt selbst, was sie/er tut oder läßt in der Gruppe, auch wenn einige vielleicht anderer
Meinung sind.
4. „Störungen haben Vorrang“
Wenn jemand nicht mehr zuhören kann, sollte dies ernst genommen und zuerst
besprochen werden, um sich dann wieder ganz dem Thema widmen zu können.
5. „Ich-Form“
Es kann immer nur eine/r sprechen.
Wenn Sie dabei den Mut aufbringen, in der „Ich-Form“ zu sprechen, fällt es den
anderen leichter, Ihre Erfahrung und Gefühle als solche stehenzulassen.
Sie fühlen sich eher verstanden und akzeptiert.
Bei einem Erfahrungsaustausch kann es kein richtig oder falsch geben!
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Wenn es zu Konflikten kommt
Konflikte gehören - wie überall im Leben - auch in
Selbsthilfegruppen mit dazu. Gerade hier besteht die Chance, zu lernen damit
besser umzugehen und die neu erlernten Fähigkeiten mit hinaus ins Leben zu
nehmen.
Besonders wenn es zu Konflikten innerhalb der Gruppe kommt, ist ein fester
Ablauf mit einigen Regeln, welche die Lösung der Konflikte in einer
gleichberechtigten, möglichst offenen Atmosphäre ermöglichen, wichtig.
Falls Sie noch mehr „Handwerkszeug“ für den Umgang miteinander benötigen oder
die Gruppe in einer Krise ist und nicht mehr alleine damit zurechtkommt
(Anzeichen sind z. B. allgemeine Unzufriedenheit, zu viele „Laberstunden“, zu
häufiges Aussteigen einzelner, fruchtlose Streitereien usw.), dann melden Sie
sich bitte in der Kontaktstelle.
Wir können eine Vorübergehende Anleitung oder Konfliktberatung anbieten.